3.8.02

 

Guten Morgen liebe Menschheit
ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht
die schlechte zuerst
im Jahre 2019 schlägt ein Meteorit auf der
Erde ein und vernichtet alles Leben
außer den Insekten und Krebsen
und nun die gute Nachricht
bis dahin dürft ihr genauso weitermachen
wie bisher
und ich mit euch
feiere die Illusion des Lebens
auf einer Irrsinns Party , auf einer Weltuntergangs Party
sie hat schon angefangen
das Bier ist kalt gestellt, und die Toiletten sind frisch
geputzt
willkommen liebe Gäste
macht`s euch gemütlich, Kartoffelchips gibt es an
der Bar auf der Mauer von China
Scampi bekommt ihr auf Tahiti bei meinem lieben Freund
Marlow
der Schampus steht allerorts auf Eis
alles andere entnehmt bitte beiliegendem Prospekt
ich bin heute mundfaul
ach ja, vergesst bitte nicht neue Klopapierrollen
aufzuhängen, wenn ihr das letzte Fitzelchen
verbraucht habt
und benutzt ab und zu die Klobürste
ist das ein Wahnsinn zu wissen, an welchem Tag ich
abtreten werde?!
seitdem halte ich mich am Bier
ich schlafe unruhig
habe es aufgegeben die Tage zu zählen, die mir bleiben
mein Leben ist wie ein Eisberg, der vor
Australiens Küste schmilzt
werde ich es hinkriegen zu sagen
willkommen Tod ?
warum Krebs?
warum ein doofer Meteorit?
warum dieser Auffahrunfall im Nebel?
und wenn alles Bedeutung hat und wie ein überirdisches
Puzzle seltsam zusammengesetzt ist ?
willkommen liebe Freunde
der Tod macht den Barkeeper, und er mixt die besten
Cocktails
er jongliert mit ihnen, und er hat einen Gesellen
mit dem er zusammen seine Show abliefert
diese Vorstellung dürft ihr nicht verpassen
der Tod ist ein echter Magier
seine Cocktails sind wirklich unschlagbar
liebe Menschheit
7 Milliarden mal „ich“
ich spüre eure Gesichter in den Trambahnen
ich sehe euch auf den Plätzen neben der
Taubenscheiße sitzen
ich sehe euch arm und reich, verzweifelt und glücklich
nebeneinander
jeder einzelne ist ein Universum für sich
und sucht nach dem Kontakt
dem Funkenschlag der Liebe
oder dem Strom der Solidarität
here we are
ich gebe euch meine Seele, bevor ich sterbe
nicht aus Selbstlosigkeit

und nun möchte ich weinen
lasst mich in Ruhe

„noch ein Bier bitte“
„Jever oder Karlsberg?“
„egal“
„sieht nach einem Gewitter aus“
„ja, es wird bald regnen“
„der Sommerregen ist schön, wie er auf die Markisen
prasselt in Paris, Madrid und London“
„den schönsten Regen erlebte ich in Lisboa“
„ist es wahr?“
„ich glaube schon“
„darf ich deine Hand halten?“
„warum sind wir so allein?“
„ja“
„dann ist es vorbei? mit allem?“
„es fängt bald an zu regnen“
„lasse uns Hand in Hand im Regen stehen“
„weißt du, dass ich glücklich bin?“

 

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06. plus (4)

 

Mein Vater heißt Hoffnung
meine Mutter Eleganz
Sie legten mich trocken
und puderten meinen Popo
Bald aß ich Haferflocken
und ging alleine aufs Klo

Heute dichte ich
in der Che Guevara Suite
ein Lied


Sie hatten nichts übrig
für Firlefanz
Sie lehrten mich Rechtschaffenheit
Ordnung und
Sauberkeit
doch ich war in meinem Leben
öfter betrunken
als verliebt

Heute dichte ich
in der Che Guevara Suite
ein Lied

Ich wäre gern Revolutionär
geworden
erhielte für meine Tapferkeit
Auszeichnungen
und Orden
Geld würde nicht zählen
jeden Tag ein Abenteuer
und im Herzen
Feuer

Heute dichte ich
in der Che Guevara Suite
ein Lied

Mein Vater heißt Hoffnung
meine Mutter Eleganz

 

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.06 plus (3)

 

Auf Larrys Heimatplaneten gab es eine Ost- und eine Westsonne
Sie wanderten genau gegenläufig über den Himmel
Die Ostsonne von Ost nach West
Und die Westsonne von West nach Ost
Larry hatte zwei Schatten
Larry hatte auch zwei Frauen
Eine Ost- und eine Westfrau
Unter den Bewohnern auf Larrys Heimatplaneten
war es üblich, dass die Männer
zwei Frauen
und jede Frau zwei Männer hatte
Die Menschen waren in Ost- und Westmenschen unterteilt
Larry war ein typischer Ostmensch
ziemlich still
und in sich gekehrt
Die Westmenschen dagegen
zeichneten sich durch eine größere Lebhaftigkeit aus
Man sprach auch vom „Wilden Westen“
Rein äußerlich waren sie nicht
zu unterscheiden
Larry liebte Britta, eine Westfrau
die ihn mit ihrer Leidenschaftlichkeit mitriss
Er erlebte mit ihr hinreißende Liebesnächte
Und er liebte Sonja
eine Ostfrau
Mit ihr konnte er nächtelang
über Gott und die Welt philosophieren
Die zwei Sonnen zogen stoisch übers Himmelsrund
und trafen sich täglich
in der Mitte
Larry huldigte der Ostsonne
aber er fühlte sich auch von der Westsonne
angezogen
Ihr Gelb war heller und kräftiger
Sie ging am Morgen später auf und
am Abend später unter
Die Ostsonne küsste den neuen Tag bereits wach
während ihm die Westsonne noch
eine Gutenachtgeschichte
erzählte
Die zwei Sonnen wachten wie ein Elternpaar
über Larrys Welt

 

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.06 plus (2)

 

Die Luft ist ein Torpedo
Wir versprachen uns
Uns in unseren Träumen zu treffen
Ich sah dich nie im Mini-Rock
Ich sah dir nie tief in die Augen
Stelle dir bitte den Wecker auf 5 Uhr morgens
Und wir reisen nach Istanbul
Du bist wieder jung wie ein Kätzchen
Unter dem Halbmond
Am Strand lieben wir uns
In unseren Träumen bis zum Erwachen
Bis die Wellen silbern glänzen
Der Sand von den Gliedern rutscht
Wenn wir aufstehen
Die Luft ist ein Torpedo
Unsere Liebe ein Traum
Heimatlos und heimatverloren
Inseln, die ihre Geschichte schreiben
5 Uhr morgens
Schatz, stelle deinen Wecker
Wir reisen in die Welt

 

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.06 plus (1)

 

Manchmal kommt es mir vor
als wäre mein Leben von fremder Hand
gelenkt
Es hat den Anschein
als würde ich in einer Welt
nicht deutbarer Zeichen leben

Manchmal habe ich das Gefühl
ich könnte mit
meinem Herzen
die Menschen begreifen
und denke
ich wäre was Besonderes

Manchmal sieht es so aus
als würde eine wunderbare
Ordnung hinter allem stehen
und ich kann mich
niemals nicht sattsehen
an dem Kaleidoskop der Dinge

und ich weine wissende Tränen
und ich fühle die Freude meines Körpers
wie ein junge Frucht
und ich erlebe die Stunden eines Tages
gleich goldenem Honig
und meine Gedanken spielen
wie glückliche Kinder
und tanzen will ich mit Dir
um den Häuserblock
meiner- deiner Heimat
und lieben will ich Dich wie der Teufel
und Deine Hand will ich halten
als ein Wanderer durch die Zeit

 

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.06 plus

 

Brunhilde bedient im Speisewagen
des ICE und stößt
mit ihrem Kopf fast an die Decke
Die Berge tragen
weiße Hauben
Auch ein Dichter ist nur ein
Mensch
Ich trinke Hefeweizen
vor Freiburg
durchschnittlich feige
auf meinem Sitz
mit gepolsterter Kopfstütze
unprofessionell im Abschiednehmen
Ich schaue an Brunhilde hoch
sie sagt: Aber gerne!
Braun sind die Äcker
braun wie mein Gemüt
Unvollkommen sind die Dichter
mehr noch als alle
anderen
ihr Leben in schwarze Tinte
getunkt
der Welt nie gerecht geworden
Ohnmächtig trinke ich mein Bier
Hoffnung heißen die zeitlosen Flügel
der Seele
Der Zug erreicht Freiburg
Ich fuhr immer nur vorbei
niemals war ich hier
niemals war ich dort
meine Freiheit existiert auf Schienen
meine Reisen sind
Mittelmaß
Auch ein Dichter ist nur ein Mensch
er isst mit Messer und
Gabel
spuckt Worte
Verzeih Liebling, meine Küsse
waren Verrat
der Zug fährt mit und ohne uns
vorbei an Schönem und Hässlichem
vorbei an einer Welt voller Farben
die mehr sagt als das
Tinten-Schwarz

 

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.06

 

Weit weg warf ich die Angst
vorbei die Zeit
wo du bangst
um Liebe, Zärtlichkeit
Geborgenheit

In einem Schrebergarten
küsste ich
Schneewittchen
Am nächsten Morgen
erwachte ich
im Kittchen

Ständig bin ich mir ein Quell
zum Trotz habe ich
ein dickes Fell

Was ich an dir finde
macht den Mann
zum Kinde
was ich an dir finde
ist Sünde

 

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