24.11.00

 

Meine Pflegedienstleitung schickte mich zum Mond, was ziemlich kurzfristig kam.
Zur Erläuterung: Der Mond stand viel näher zur Erde, und man hatte eine Art Aufzug zu ihm installiert.
Meine Kollegin Monique verpasste mir den Raumanzug mit Helm und Funk, und so machte ich mich mit mulmigem Gefühl auf die Reise. Ich hatte Angst vor den vielen kleinen Gesteinsbrocken, die dort oben bekannter weise überall herumflogen, und die mich durchlöchern könnten, noch ehe ich den Mond erreichte. Die PDL hatte mich darauf überhaupt nicht vorbereitet. Ich fühlte mich gelinkt und funkte Monique an. Aber niemand antwortete aus dem Altenheim. Funkstille.
Na ja, der erste Teil meines Weges führte noch über die Erde…
Ich verlor den Faden, was mir ganz entgegenkam, und so schnappte ich mir einfach das Fahrrad und fuhr drauflos in die Richtung, wo ich den weiteren Aufstieg zum Mond vermutete. Ich wollte nicht als Feigling gelten und funkte unterwegs mehrmals Monique an. Vergeblich.
Bald merkte ich, dass die Luft hinten unten war. Eingangs eines Dorfes versuchte ich den Platten aufzupumpen, aber da war nichts zu machen. Ich fragte in dem Store an der Tanke nach Flickzeug und Reparaturmöglichkeit. Noch immer stak ich in dem Astronautenanzug. Niemand konnte oder wollte mir weiterhelfen, bis SIE mich ansprach. SIE hatte mein Problem mitgekriegt und sagte: „Du kannst bei mir übernachten, und morgen schaust du weiter nach dem Mond.“ Ich war von ihrem Angebot freudig überrascht und sowieso mit meinem Latein am Ende. Zufällig wohnte SIE genau DORT.
„Du legst dich also vor mir in die Koje, und wenn du klar bist, rufst du OKAY, und ich antworte ICH KOMME.“ „Kein Problem“, sagte ich und zog den Raumanzug aus. Ihr schien wirklich etwas an mir zu liegen. Anstatt auf dem Mond zu spazieren, wollte ich lieber für die nächste Zeit bei ihr bleiben.

 

Über bonanzamargot

Ich wollte, es wäre immer Sommer. Ich wollte, ich wäre immer verliebt. Ich wollte, ich hätte nie Sorgen. Ich wollte, ich hätte unbegrenzt Zeit, um hinter das Geheimnis des Lebens zu kommen: Die Welt um mich herum besser zu verstehen - die Menschen - die Liebe - den Tod...
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