19.6.05

 

„Welche Verschwendung“ dachte er,
„wenn die Frau im roten Sommerkleid
lesbisch wäre.“
Er konnte den Blick nicht abwenden.
Im Dorf war Feuerwehrfest, und er
kaufte sich zwei Steaks zum Mitnehmen.
Der Sonntag war ein Film,
in dem er als Statist die Zeit absaß.
„Das Kleid steht ihr gut“,
dachte er und blinzelte in die Sonne,
die ihn augenblicklich traf, als
sie hinter dem Kirchturm hervorkam.
„Mein Leben ist auch eine Verschwendung.
Wozu das Blut in meinen Adern?
Wozu die Gedanken am Brunnen des Lebens?“
Er setzte sich in den Schatten.
Die Kirchturmuhr schlug.
Der Sommer würde die Jahreszahlen
hinaufklettern, während er immer noch
hier saß und die Menschen bei
ihren unsinnigen Handlungen beobachtete;
sich selbst nicht leiden mochte, weil
er auf die Frau mit dem roten Sommerkleid
starrte, weil er
Hunger hatte und Durst.
Augenblicklich verwarf er diese trüben
Gedanken, als hinter seinem Rücken
Gitarrenspiel erklang.

 

Über bonanzamargot

Ich wollte, es wäre immer Sommer. Ich wollte, ich wäre immer verliebt. Ich wollte, ich hätte nie Sorgen. Ich wollte, ich hätte unbegrenzt Zeit, um hinter das Geheimnis des Lebens zu kommen: Die Welt um mich herum besser zu verstehen - die Menschen - die Liebe - den Tod...
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2 Antworten zu 19.6.05

  1. monimonikablog schreibt:

    Musik heilt. Immer! wenn auch nur kurzfristig.

    Gefällt 1 Person

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