8.6.06

 

die Musik der Stadt ist wie eine Hymne an das Leben
ein Radauorchester mit stählernen Pauken
motorsägenden Violinen und
unterirdischem Posaunenchor
der Dirigent ist der bleiche Tag
mit wolkenwirrem Haar
der seine Arme über die Stadt hebt und senkt
einen infernalischen Rhythmus vorgebend

nach dem Morgenkaffee
und dem ersten Bier
verlasse ich meinen Logenplatz in der Küche
und begebe mich selbst hinunter in das städtische Treiben
beinahe schneckengleich sehe ich mich über
den Asphalt kriechen
die Anderen und mich selbst beäugend, als wären
wir Leprakranke

unerwartet
kommt die Sonne hervor und füllt den Dom des Lebens
mit gleißendem Licht
wie Schweiß aus den Poren tritt
füllen sich die Straßen und Wege mit Menschen
ich fühle eine Unruhe
die Sonne hebt Gut und Schlecht gleichermaßen hervor
Blicke wie scheue Gewitter
zurückgezogen
sitze ich an der Theke eines Pubs
den Sehnerv um ein paar Meter verlängert
ich nicke auffordernd lächelnd
als das Bier leer ist
am Ende meines Tunnels sind das Licht
und die Stadt

 

 

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Über bonanzamargot

Auf diesem Blog überarbeite ich alte Notizen.
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2 Antworten zu 8.6.06

  1. karamella48 schreibt:

    Ein sehr lebendiger Text, der mich erreicht hat…

    Gefällt mir

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