13.6.03

Schwarz-Weiß


Wenn ich alte Filme schaue und die jungen Schwarz-Weiß-Gesichter sehe, denke ich fasziniert, dass die meisten davon inzwischen tot sind… Dieses ewige Nachwachsen macht mich mürbe. Geschichten entstehen, werden Geschichte. Wie viele Geschichten passen in ein Leben? Wie schnell ist heute gestern?
Auch die Verliebtheit unterliegt der Korrosion der Zeit mit ganz unterschiedlichen Halbwertszeiten. Es gibt Lieben, die schnell vergehen, und Lieben, die unendlich langsam dahinschmelzen. Manche Lieben dauern an, während ich längst wieder neu liebe.
Ich öffne meine Seele und schaue auf Ruinen, überwuchert vom Efeu des stetig Nachwachsenden, bedeckt vom Staub der Zeit-Winde, niedergemacht vom Ego der Gegenwart… Die Gegenwart ist brutal. Wir suchen sie sehnsüchtig auf. Wir verzweifeln an ihr. Wir scheitern an ihr.
Der Schwarz-Weiß-Film fasziniert. Robert Mitchum in einer Paraderolle. Er hatte diesen Schlafzimmerblick – wie geschaffen für die Rolle des Detektivs Marlow.
Ich träume. Ich träume mich in eine Schwarz-Weiß-Welt, in eine Gut-Und-Böse-Welt, in eine Welt der Helden und der Anti-Helden – von gestern, von heute, von morgen… bis das Licht ausgeht.

13.06.2003
(redigiert am 08.05.2022)

Über bonanzamargot

Ich wollte, es wäre immer Sommer. Ich wollte, ich wäre immer verliebt. Ich wollte, ich hätte nie Sorgen. Ich wollte, ich hätte unbegrenzt Zeit, um hinter das Geheimnis des Lebens zu kommen: Die Welt um mich herum besser zu verstehen - die Menschen - die Liebe - den Tod...
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4 Antworten zu 13.6.03

  1. piri schreibt:

    Nennt man das den Lauf der Welt? Oder ist es einfach nur Leben? Vergänglichkeit gehört einfach dazu. Aber auch Erinnerung.

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  2. bonanzamargot schreibt:

    der lauf der welt/dinge – das ist sehr oberflächlich/grob formuliert. das subjektive empfinden greift tiefer. vergänglichkeit ist keine leicht verdauliche kost.

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    • piri schreibt:

      Wenn wir ins Detail gehen, dann könnten wir stundenlang darüber philosophieren. Auch das ist Leben.

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      • bonanzamargot schreibt:

        ein thema, das mit philosophie nicht zufriedenstellend zu ergründen ist… mehr die emotionale/seelische wahrnehmung betrifft, wo sprache an ihre grenzen kommt. wir machen kunst, schreiben gedichte – der eine hat einen zugang dazu, der andere nicht.
        dasselbe erleben wir in gesprächen, in die sich die teilnehmer fallen lassen, dabei die zeit vergessen. am ende geht es gar nicht um die details, sondern um die schwingungen von gefühlen und gedanken, die zusammenfinden.

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